Rösler plant ein Solarausstiegsgesetz
03. Februar 2012 | Politik und Gesellschaft, TopnewsDas Wirtschaftsministerium hat einen eigenen Vorschlag für die Änderung des EEG bei der Photovoltaik vorgelegt. Bei einem Zubau von 33,3 Gigawatt könnte mit der Solarförderung Schluss sein. Fragen dazu lässt das Ministerium unbeantwortet, da es sich zu Details nicht äußern will. (Aktualisierte Fassung)

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 12. Januar einen Entwurf für die Änderung des EEG vorgelegt. Dieser ist allein darauf ausgerichtet, bis 2020 einen Zubau bei Photovoltaik-Anlagen von insgesamt 33.300 Megawatt in Deutschland zu erreichen. Dieses Ziel, was die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept von 2010 im Zuge des damaligen Ausstiegs aus dem Atomausstieg festgeschrieben hat, entspricht aber nicht den nach Brüssel gemeldeten Photovoltaik-Ausbauzielen von knapp 52.000 Megawatt. Das Wirtschaftsministerium bringt nun aber erneut die 33,3 Gigawatt ins Spiel und ordnet diesem Ziel auch die weitere Ausgestaltung der Einspeisetarife unter.
Klar ist, dass wenn sich das von FDP-Chef Philipp Rösler geführte Ministerium mit seinem Vorschlag durchsetzt, die Solarförderung entweder spätestens im kommenden Jahr auslaufen könnte oder de facto jährlich auf einen Zubau von einem Gigawatt Photovoltaik-Leistung beschränkt wird. Bislang sind in Deutschland bereits Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von etwa 25 Gigawatt am Netz. Das Wirtschaftsministerium will daher auch den starken Zubau, der in den vergangenen zwei Jahren bei jeweils sieben Gigawatt oder leicht darüber lag, einbremsen mit einer drastischen Einmalkürzung, die zum 1. September 2012 kommen soll. Nach dem Entwurf sind Einschnitte von mehr als 30 Prozent für alle Einspeisetarife geplant – um den Zubau in einen Korridor von einem Gigawatt pro Jahr zu lenken. Dafür hat das Rösler Ministerium eigens eine Formel entwickelt, mit der es glaubt, den Zubau lenken zu können.
Das Wirtschaftsministerium will dem Entwurf zufolge an zwei unterjährigen Degressionsschritten festhalten: sie sollen jeweils zum 1. März und zum 1. September erfolgen und sich weiter an der Höhe des Zubaus orientieren. Zur Berechnung der neuen Einspeisetarife schlägt das Ministerium zudem eine eigene Formel vor. Allerdings sind verschiedene wichtige Parameter dafür noch nicht geklärt. Alle Fragen zu ihrem Gesetzentwurf ließ das Ministerium unbeantwortet. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministerium erklärte auf Anfrage der photovoltaik lediglich, dass sich die beiden Minister im Gespräch befänden und sie zu Details keine Aussage treffen könne. Sie bestätigte allerdings, dass der Gesetzentwurf von Rösler auf dem Gutachten von FGH/r2b und Consentec aus dem September 2011 basiere (vergleiche dazu Zahlenspiele aus dem Wirtschaftsministerium)
Grünen-Energieexperte Hans-Josef Fell kritisiert den Vorschlag aus dem Wirtschaftsministerium scharf: „Röslers Solarausstiegspläne finden vollkommen unabhängig von der Kostenentwicklung des Solarstroms statt. Rösler will das Ende des Solarzubaus sogar auch dann, wenn Solarstrom sehr günstig ist. Damit liegt auf der Hand, dass es dem FDP-Parteichef nicht um die angebliche Kosteneinsparung geht.“ Fell wirft Rösler außerdem vor, sich mit seinen Szenarien, die sich aus der Zeit vor der Atomkatastrophe von Fukushima beziehen, formell von der Energiewende zu verabschieden. Auch sei es erstaunlich, dass das Bundeskanzleramt nicht eingreife. „Setzt sich Rösler durch, würde die Solarausstiegsnovelle noch im März durch den Bundestag gepeitscht werden, exakt ein Jahr nach Fukushima“, so sein ernüchternder Ausblick.
Die Kompetenz für die angestrebte EEG-Novelle liegt eigentlich beim Umweltministerium. Dessen Minister Norbert Röttgen (CDU) hat von den Fraktionsspitzen der Union und FDP den Auftrag, bis Ende des Monats sich mit Rösler auf eine gemeinsame Neuregelung der Solarförderung zu verständigen. Die Positionen der beiden Minister liegen in ihren Positionen noch weit auseinander. Während der Wirtschaftsminister einen starren Deckel für die Photovoltaik fordert, will der Umweltminister die bestehenden Regelungen nur minimal verändern, etwa indem er mehrere unterjährige Kürzungen der Photovoltaik-Einspeisetarife einführt. (Sandra Enkhardt)
- Dateien:
Kommentare
Thorsten Seifert aus Münster
Montag, 06.02.2012 22:22
Herrn Rösler's Solarstrangulationspläne finden offenen Applaus auf einschlägigen Klimaskeptikerseiten wie EIKE oder Science-Skeptical..... Kein Wunder, den dort sitzen lauter betagte Lobbyisten der [...]
Udo Austermann aus Wadersloh
Sonntag, 05.02.2012 19:35
Es scheint mir so, Herr Rösler suche Beifall für seinen inzwischen traurigen Verein irgendwo zwischen der Leserschaft des FAZ Wirtschaftsteils (ist klar -geschenkt) und "Achse des Guten"/"Klimaskeptikern" [...]
Wilfried Maier aus Rottenacker
Samstag, 04.02.2012 09:12
Vom Gesundheitsminister zum Wirtschaftminister!!! Beim ersteren kann der Minister anzunehmenderweise noch ein Studium nachweisen. Beim zweiten sind dessen fachlichen Kenntnisse wohl auf die Wirtshausgespräche [...]
Michael Diensberg aus Wächtersbach
Freitag, 03.02.2012 21:46
Naja, irgendwie muß sich Herr Rösler ja im Gespräch halten. Das was da vorgeschlagen wird ist auch ein Tiefschlag für die investierenden Betriebe in diese Branche. Welche Intention steht nur hinter [...]
Michael Stark aus Leipzig
Freitag, 03.02.2012 16:47
Gibt es denn niemanden, der dem Hr. Rösler mal ordentlich auf die Finger haut? Er ist Wirtschaftsminister und seine Aufgabe besteht darin die Wirtschäft und im Auftrag seiner Partei auch den Mittelstand [...]
Direkt kommentieren
Sie haben die Möglichkeit, unsere Artikel jetzt direkt zu kommentieren. Sie müssen sich nicht mehr als Benutzer registrieren, sondern können direkt auf "KOMMENTIEREN" am Ende der Artikel klicken und Ihre Meinung schreiben.
Die Redaktion behält sich jedoch vor, unsachliche Kommentare zu löschen.
Am häufigsten gelesen
FTD: Conergy vor Teilverkauf nach China
10831 viewsBundesrat ruft Vermittlungsausschuss zur Solarförderung an
7171 viewsWelches EEG gilt nun für Photovoltaik-Anlagen?
7099 viewsBreite Länderfront stoppt Photovoltaik-Novelle
5789 viewsUmweltministerium sucht Kompromiss bei Solarförderung
4213 viewsRösler will Photovoltaik-Einschnitte durchdrücken
3967 viewsMerkel kann CDU-Länder nicht auf Linie bringen
3201 views
