Die Photovoltaik ist in der Schweiz eine unverzichtbare Technologie der Stromerzeugung geworden. Im Laufe dieses Jahres werden die installierten Solarstromanlagen 14 Prozent des Bedarfs der Schweizer decken. Dies ist eine Prognose, die Rutger Schlatmann vom Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) in seiner Keynote auf der diesjährigen Fachtagung des Branchenverbandes Swissolar gewagt hat.
Insgesamt etwa 1.100 Teilnehmer sind in den Kursaal nach Bern gekommen, um sich über die aktuellen Regelungen und Marktbedingungen für die Photovoltaik und den Betrieb von Speichern in der Schweiz zu informieren. Auf der Tagung haben die Nationalräte und Vorstände von Swissolar Jürg Grossen (Präsident) und Gabriela Suter (Vizepräsidentin) in einem gemeinsamen Vortrag gezeigt, unter welchen Voraussetzungen die Photovoltaik weiter wachsen kann.
Kunden sind verunsichert
Denn derzeit spürt die Schweizer Solarbranche eine gewisse Zurückhaltung bei der Nachfrage nach Photovoltaikanlagen. Damit zeichne sich ein leichter Marktrückgang für das laufende Jahr ab, wie David Stickelberger, Leiter Kommunikation, Markt und Politik bei Swissolar, in seinem Vortrag dargestellt hat. Er führt dies unter anderem auf Unsicherheiten durch die neuen Gesetze und Verordnungen zurück.
Eingeschlagenen Weg beibehalten
Gabriela Suter appelliert in ihrem Beitrag, den derzeit eingeschlagenen und von den Schweizern in mehreren Abstimmungen bestätigten Weg konsequent weiterzuverfolgen. „Innerhalb der nächsten zehn Jahre müssen wir die Produktion um mehr als den Faktor 3 steigern, um die Ziele des Stromgesetzes zu erreichen“, betont sie. „Das ist machbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“
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Jürg Grossen ergänzt: „Die Solarbranche ist bereit, ihren Teil der Verantwortung für das Stromsystem zu übernehmen. Wenn wir den Strom vermehrt lokal nutzen und speichern, entlasten wir das System und die Netze“, betont er. Damit spricht er eine Herausforderung an, die auch Rutger Schlatmann in seinem Beitrag erwähnt hat.
Mehr Flexibilität im Netz
Denn die Solarenergie muss besser ins System integriert werden, primär durch eine Abstimmung von Produktion und Verbrauch. Das neue Stromgesetz schaffe dafür die Voraussetzungen, einerseits durch Geschäftsmodelle, die eine nachbarschaftliche gemeinsame Versorgung mit Solarstrom zulassen, andererseits durch Flexibilitätsregelungen für die Verteilnetzbetreiber.
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Sonnenstrom teilen
Wie solche nachbarschaftlichen Versorgungssysteme aussehen können, erklären die Referenten am zweiten Tag der Tagung von Swissolar in Bern. Hier wird es unter anderem um LEG und VZEV gehen. Hinter den Abkürzungen verbergen sich – neben den bisher schon möglichen Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV) – die beiden neuen Modelle für Nachbarschaftsstrom. Diese sind lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) und virtuelle Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (VZEV). Die LEG sind ab 2026 zugelassen. Die VZEV wurden bereits zu Beginn dieses Jahres eingeführt.
Plattform für lokale Verbrauchsgemeinschaften
Diese Session der Tagung widmet sich den neuen Betriebsmodellen, welche die Wirtschaftlichkeit größerer Photovoltaikanlagen verbessern und gleichzeitig die Netzbelastung reduzieren werden. In diesem Rahmen wird Lena Kern, Spezialistin für Technik und Betriebswirtschaft bei Swissolar auch die neue Informationsplattform lokalerstrom.ch vorstellen, die Swissolar zusammen mit Energieschweiz und dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) entwickelt hat. Hier werden die verschiedenen Betriebsmodelle detailliert erklärt und grundlegende Informationsbroschüren bereitgestellt.
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Mehr Strom mittags verbrauchen
Aber auch die Strombranche müsse ihre Systeme dem Markt anpassen, betont Jürg Grossen. „Immer noch werden beispielsweise Elektroboiler fix in der Nacht geladen, statt über Mittag, wenn der Strom am günstigsten ist“, mahnt er zur Veränderung. (su)